Kino.to – Die entschärfte Bombe der Filmindustrie

Das Newsportal „Golem“ schrieb vor einigen Tagen in einem Beitrag, dass der Chef der Seite „Kino.to“ 6,6 Millionen Euro verdiente. Bild schreibt, dass dem Chef der illegalen Seite sogar 15 Jahre Haft drohen könnten. Meine Reaktionen beim Lesen dieser Artikel lösten eine Mischung von Unverständnis,  aber auch Respekt aus.  In diesem Artikel schreibe ich warum.

Im März 2008 ins Netz gekommen, im Sommer 2011 offline genommen worden. Laut dem Artikel der Bild flossen schon beim Start 2008 ungefähr 15 000 € an Werbegeld.  Die Werbung bestand meist aus aufdringlicher Werbung, aufpoppende Fenster mit Aufforderungen zu einer Registrierung bei einer (nichtbekannten) Singlebörse kamen öfters vor. Trotzdem war die Seite die populärste ihrer Art. Ihr Name fiel sofort, falls es darum ging einen Film anzusehen.

Die Konsumenten sind nicht kriminell, sie wollen einfach nur konsumieren.

Die Benutzer der Seite sind meist jüngeren Alters. Besonders in meiner Altersgruppe war das Portal beliebt. Aber warum eigentlich? Ist diese Popularität mit der generationenbedingten Abneigung gegen das Etablierte zu erklären?

Meine Antwort darauf ist Nein! Die Erklärung ist sehr einfach. Wir (ich spreche jetzt für meine Altersgruppe) wollen keinem schaden. Wir wollen auch keine Regeln brechen.  Die Gründe sind genauso einfach wie vielfältig. Um uns verstehen zu können, muss man erst unser Konsumverhalten verstehen.  Wenn wir Zeit zum Konsumieren haben, konsumieren wir nicht blind.  Meistens wollen wir etwas ganz bestimmtes konsumieren und erwarten Zugang dazu.  Kino. to hat genau das angeboten.

Zwar gibt es genauso legale Portale, aber deren Bedienung und Art der Werbeplatzierung ist in den meisten Fällen eine Katastrophe und sorgen dafür, dass man genervt auf Portale geht, wo man die Inhalte schneller bekommt. Auch manch unnötige Ladezeit der legalen Portale tragen zur Attraktivität der illegalen Alternativen bei. Das normale Fernsehen ist ebenfalls keine Alternative. Flexibilität ist durch die festen Sendezeiten überhaupt nicht vorhanden.

Ein Portal zum konsumieren darf zwar Werbung enthalten, muss aber einfach zu bedienen sein und schnell laden.

Die Lösung ist auch simpel. Wer bei den jüngeren Leuten ankommen will, muss seine Inhalte auch im Internet bereithalten. Die Rede ist hier von Serien, Shows und Filmen, allerdings nicht von Kinofilmen. Das man Produktionen in den Millionen stecken nicht einfach so stellen darf, ist mir sehr wohl bewusst. Aber bei Serien, die aktuell oder nicht mehr im TV zu sehen sind, sollte man vielleicht  darüber nachdenken, diese Serien ins Internet zum Ansehen zur Verfügung zu stellen. Fans werden es dem danken.

Die Absurdität der deutschen Justiz: 15 Jahre Höchstrafe wegen Urheberrechtserverletzungen. Das ist das gleiche Strafmaß, welches Mörder kriegen. 

Auch wenn 6,6 Millionen Euro kein Pappenstiel sind. Ein Mörder hat eigentlich kein Recht, auf einen Platz in der Geselllschaft, sie haben mit dem Ausslöschen eines Lebens ihren Platz verwirkt. Eine Person, welche das Urheberrecht verletzt hat, hat keine Person ermordet. Vielleicht der Industrie Schaden zugefügt, aber eine Person ist meines Wissen noch nicht durch Urheberrechtsverletzungen gestorben. Gefängnis ist angemessen, aber 15 Jahre Höchstmaß ist meiner Meinung nach zu extrem dafür. Stattdessen würde ich als Richter dem Angelagten „nur“ 7 Jahre Gefängnis aufbrummen, dafür aber mit Sozialstunden, um den entstandenen Schaden zumindest moralisch zurückzahlen zu können.

Sein Vermögen wurde auch beschlagnahmt. Dieses Vermögen sollte  zum Teil Künstlern und zum Teil einem guten Zweck zu Gute kommen. Aber so verliert nur einer (zurecht!), aber keiner der anderen Gewinnt. Natürlich gibt es da die Annahme, dass es der Wirtschaft extrem besser gehen wird, nun da Kino.to vom Netz genommen wurde, aber das täuscht.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein Umdenken.

Genau jetzt hat die Film- und Musikindustrie die Chance ihren Ruf aufzubessern. Dass der Chef von Kino.to bestraft werden muss, steht ausser Diskussion. Aber anstatt, dass die Medienindustrie aus dem Erfolg von Kino.to lernt, versucht sie den Erfolg des Onlineportals kleinzureden und setzen weiter auf ihre alten Vertriebsstrukturen. Wie oben geschrieben, sind die eigenen legalen Portale der Medienindustrie zumeist einer Katastrophe ähnlich. Die die wirklich bedienbar sind, kosten Geld.

Allerdings sind Konsumenten, welche einfach schnell nur eine Serie konsumieren wollen, nicht bereit für eine Folge 99 Cent zu bezahlen. Viele sind bereit, auf eine hohe Qualität (1080p oder 720p, also HD- Auflösung) zu verzichten, um dafür kostenlos und in Standartqualität (480p) ihre Lieblingsserie zu gucken.

Die Werbeunterbrechungen mitten in den Clips bei manchen Portalen oder die langsame Ladezeit verleitet dazu, dass man zu Alternativen wechselt. Auch die illegalen Streamingportale  blenden Werbung an, darunter oft auch moralisch denkwürdige Werbung. Dennoch laden die Serien bei diesen Portalen schneller und die Qualität ist trotzdem akzeptabel. In solchen Situationen kommt bei mir immer die Frage auf, warum die großen Firmen nicht von der Popularität von Kino.to lernen.

Konsumer aktzeptieren Werbung, solange sie nicht aufdringlich ist (-> Facebook).  Bei Werbung die akzeptiert wird, kommen die Leute wieder und wenden sich nicht genervt ab. Langsam wird es Zeit. Die Schließung von Kino.to wird auf Dauer keinen Erfolg bringen. Die Konsumenten werden auf Alternativen ausweichen, auch auf illegale Alternativen.

Respekt dafür, dass er das geschafft hat, woran die deutsche Medienindustrie anscheinend scheitert.

Er hat etwas geschafft, wovon so viele träumen: Das Binden von Besuchern an seine Internetseite und das dadurch ermöglichte Verdienen durch Werbung.  Selbst wenn der Weg, welchen er gewählt hat  nicht der richtige  ist, über 6 Millionen Euro in 3 Jahren zu verdienen ist nicht leicht.  Hulu macht es vor. Warum es so eine Plattform nicht in Deutschland machbar ist, bleibt mir schleierhaft. Angeblich soll es juristisch nicht machbar sein, aber mich darin schlau zu machen, verursacht einen Zeitaufwand, welchen ich nicht rechtfertigen kann.

Trotzdem

Egal, ob es sich um die gesperrten Videos auf Youtube handelt oder um das veraltete Urheberrecht.

Jetzt ist die Zeit zum Umdenken, nicht morgen. Je schneller, desto besser. Dann werden die illegalen Alternativen weniger und mehr Künstler können sich ein schickes Auto kaufen.

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